wappen0.gif Die Gesetzlose Gesellschaft zu Berlin
Gegründet in Berlin am 4. November 1809

Bildung und Moral


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Vortrag aus Anlaß der Wiederkehr des 186. Gründungstages der
Gesetzlosen Gesellschaft zu Berlin, 3. November 1995

von Herbert Voß

Meine Herren!

Ich habe lange geübt, damit mir die Damen ja nicht über die Lippen kommen, wenn wir sie auch sonst in keiner Weise missen wollen. Unser verehrter Zwingherr hat also die verantwortungsvolle Aufgabe, vor dem Essen zu Ihnen zu sprechen, mir übertragen. Ich hoffe, daß ich Ihren Ansprüchen gerecht werden kann und den Appetit anregen und nicht verderben kann. Da ich mich in diesem Kreis der Weisen, doch noch als der Unweiseste betrachten darf, habe ich natürlich vorher überlegt, über was ich denn hier referieren sollte. Es soll ja einerseits nicht zu ernst sein, andererseits dem Rat der Weisen entsprechend auch nicht ohne geistigen Tiefgang sein. Nun könnte ich ja sagen, daß alles, was ich von mir gebe, geistigen Tiefgang hat, aber da wäre ja schon das Problem, ob ich das nun ernst meine oder nicht. Also, ich habe ernsthaft überlegt, ob ich hier als Ingenieur, der ich ja von Hause aus bin, oder als Pädagoge, als den ich mich nun betrachten darf, zu Ihnen sprechen soll. Als Ingenieur stehe ich ja hier einsam und verlassen an diesem Tisch, ohne jegliche Unterstützung durch unsere Gesellschaft, und weiß daher nicht, ob sie meinen Ausführungen über neue technische Errungenschaften über ca. 20 Minuten folgen können oder wollen. Als Pädagoge, oder besser Lehrer, manche unterscheiden ja vehement zwischen Lehrern und Studienräten, habe ich ja nun ein ganz anderes Problem. Denn wir Lehrer haben doch die Eigenschaft, daß wir als vom lieben Gott mit der Allwissenheit ausgezeichnete Menschen gelten. Das heißt natürlich, daß wir noch vor den Juristen kommen, die natürlich auch, wie wir Lehrer alles besser wissen, aber mit dem Unterschied, daß wir Lehrer dabei natürlich immer noch Recht haben. Diese Rechtsprechung führt ja bei den Juristen geradezu zu panischen Reaktionen, wenn es darum gehen soll, einen Lehrer als Mandanten anzunehmen. Ich darf hier die Juristen zitieren, die mir mehr als einmal sagten, lohnenswert seien nur die Scheidungsklagen zwischen einem Ehepaar, von denen beide Lehrer sind. Alles andere ginge an die psychische Substanz. Pädagogen sind also für Juristen grundsätzlich ein Graus.

Wahrscheinlich bedingt durch das äußere Umfeld meiner Schule, habe ich es sehr viel mit Kindern zu tun, deren Väter vornehmlich Juristen sind. Da kam mir die Idee, doch einmal über die Gattung Juristenkinder aus dem Nähkästchen zu plaudern, denn hier sind viele Verhaltensmerkmale zu beobachten, die sie sonst nirgendwo finden. Nach einigem Nachdenken kam ich jedoch zu dem Ergebnis, das könne ich nicht machen, denn die Gesetzlose Gesellschaft würde sicherlich in einem Geheimtreffen sofort die Gesetzgebung einführen und mich sofort durch ein entsprechendes Gesetz exkommunizieren. Also war auch das kein Thema. So entschloß ich mich also, Sie einfach mit auf eine Bildungsreise zunehmen, die die Themen Bildung, Erziehung, Technik in einem Rundumschlag vereint. Wir könnten das ganze eigentlich als innerbetriebliche Weiterbildung auffassen, und vielleicht sogar überlegen, ob wir diese Veranstaltung nicht hätten beim Arbeitsamt anmelden sollen. Mir wurde einmal gesagt, daß man sich mit der Durchführung von innerbetrieblichen Weiter- und Fortbildungskursen „dumm und dämlich`` verdienen könne. Damit wäre ich nun aber bei dem Problem unserer Gesellschaft, ich meine nicht unsere Gesetzlose, angelangt, dem Geld. Es wundert mich eigentlich, daß noch keiner einen Gesetzentwurf eingebracht hat, daß jeder sein Bruttoeinkommen als persönliche Kennzeichnung tragen muß. Es soll hier kein Mißverständnis entstehen, jeder soll soviel verdienen, wie es seiner Arbeit und seiner Verantwortung entspricht. Er möge sich auch darüber freuen, aber er soll es nicht ständig allen möglichen Mitmenschen erzählen, ohne daß er danach gefragt wurde. Als besonders kreativ gelten Sie ja besonders dann, wenn ihr Nettoeinkommen dem Bruttoeinkommen entspricht. Das heißt, wer Steuern zahlt, ist selber schuld. Damit habe ich das Problem schlechthin angesprochen, die Moral. Ist sie uns noch etwas Wert oder hat sie nur noch Alibifunktion? Die Moral wird uns ja nicht vom lieben Gott mit auf den Weg gegeben, sondern muß vorgelebt werden, zuerst von den Eltern, dann den Lehrern, den Politikern, der Gesellschaft allgemein.

Ist die Moral an den gebildeten Menschen gekoppelt? Nein natürlich nicht! Sarkastisch formuliert, ließe sich die Aussage auch umdrehen: In der Regel hat der gebildete Mensch keine Moral, wenn wir alleine daran denken, wieviel gebildete Menschen im dritten Reich wußten, was abläuft und geschwiegen haben, bzw. den gesunden Menschenverstand über Bord warfen. Ich darf dazu mal eine ganz kurze Stelle zitieren, aus einer Schrift, die mir zufällig in die Hände gefallen ist. Der Titel sagt eigentlich alles: Jüdische und deutsche Physik. Verfaßt von Johannes Stark, Nobelpreisträger für Physik, ein gebildeter Mensch, aber ohne jegliche Moral!

„"Von den unsinnigen Theoremen, die vor allem auf die Wellengleichung Schrödingers aufgebaut wurden, sei lediglich als Beispiel eine Lehre Sommerfelds erwähnt. Nach ihm soll eine Aufenthaltsverteilung der Wimmelbewegung des Elektrons um den Atomkern angeregt, also mit der ihr entsprechenden Energie wirklich vorhanden sein; eine andere Aufenthaltsverteilung soll jedoch nicht angeregt, also nicht vorhanden sein; aus der Überlagerung der angeregten und der nicht an geregten Aufenthaltsverteilung soll dann eine elementare Lichtemission erwachsen. Dazu muß gesagt werden, daß eine Überlagerung einer wirklich vorhandenen mit einer nicht vorhandenen Aufenthaltsvertellung ein physikalischer Unsinn ist. Vergleichen wir nun rückblickend die Leistungen der physikalischen Forschung und der Dogmatik auf den Gebieten der Atomstruktur und der elementaren Lichtemission, so können wir feststellen, daß die pragmatische Forschung eine ganze Reihe von neuen Erscheinungen in den letzten vierzig Jahren entdeckt und damit die physikalische Wissenschaft bereichert hat; dagegen kann die Dogmatik lediglich die Epsteinsche Formel als Erfolg buchen, wenn sie auch Tausende von Druckseiten mit ihren Theoremen gefüllt und eine ungeheure Propaganda getrieben hat. Nach meinem Dafürhalten hat die Dogmatik in der Physik während der letzten Jahrzehnte einen sehr großen Schaden angerichtet, indem sie bei der nach wachsenden Jugend eine falsche geistige Einstellung zu den physikalischen Erscheinungen herangezogen und die schöpferische Tätigkeit in pragmatischem Geiste gelähmt hat. Dieses Urteil ist hart, aber es ist gerecht und muß einmal mit aller Schärfe ausgesprochen werden. Ich glaube mich hierzu berechtigt, da ich durch meine Entdeckungen bewiesen habe, daß ich weiß, was Physik ist. Darum begrüße, ich auch die Entscheidung des Reichserziehungsministeriums, durch die zum Nachfolger des Dogmatikers Sommerfeld an der Münchener Universität nicht ein Zögling des jüdisch-dogmatischen Geistes, sondern der pragmatische Theoretiker W. Müller berufen worden ist. Die judengeistigen Dogmatiker mögen wissen, daß ihre Zeit in Deutschland vorbei ist; für sie ist kein Platz mehr in der deutschen Physik.``

(aus: Jüdische und deutsche Physik, Vorträge zur Eröffnung des Kolloquiums für theoretische Physik an der Universität München, Leipzig 1941)"

Moral ist natürlich eine Erziehungssache. Die 68-er Generation hat diese Erziehung ja geradezu vehement hinterfragt und nicht nur das, sogar versucht, sie völlig umzudrehen. Wir erinnern uns an die bekannten Kinderläden, wie sie im damaligen Berliner Sprachgebrauch hießen. Die damaligen Studenten waren natürlich moralisch integer, solange sie Gewalt an Menschen UND an Sachen ablehnten. Auch Baader-Meinhof waren es in ihren sehr frühen Anfängen , doch sie haben einfach nicht akzeptieren können, daß es viele Menschen gab, die ihren Moralvorstellungen nicht folgen wollten und ebenso moralisch waren. Anhand des Eintrages im Brockhaus, natürlich nicht aus dem gewöhnlichen, sondern aus der CD, sprich Compact Disk:

Moralismus

Mo|ra|lis|mus, der; - <lat.> (Anerkennung der Sittlichkeit als Zweck u. Sinn des menschl. Lebens; [übertrieben strenge] Beurteilung aller Dinge unter moral. Gesichtspunkten)

Natürlich können wir die moralischen Ansprüche überziehen und unseren Kindern in ein Korsett pressen und viele der hier anwesenden können aus ihrer eigenen Kindheit sicherlich viele Beispiele bringen, daß manches eben früher NICHT besser war. Doch müssen wir eins festhalten, gewisse Normvorstellungen müssen akzeptiert und dürfen eben gerade nicht hinterfragt oder gar diskutiert werden, was unsere 68-er und ich bin so ein ¾ davon, bis zum Exzeß gemacht haben. Man betrügt seine Mitmenschen nicht und zwar egal, warum nicht. Punkt. Nun wissen wir alle, daß wir keine Engel sind. Aber das hat nichts mit meiner Aussage zu tun.

Die Schule soll ja einen wesentlichen Beitrag zur Menschwerdung unserer Kinder leisten, was im Berliner Schulgesetz hinreichend nachgelesen werden kann. Doch diese Menschwerdung wird mittlerweile im Rahmen der Lehrerausbildung und im Unterrichtsalltag in keiner Weise mehr beachtet. Es gilt von der politischen Seite aus gesehen nur noch die Maxime möglichst viel Allgemeinwissen in das Wesen Schüler hineinzulehren. Ich dagegen behaupte, daß wir erst Erziehen müssen, danach Lehren. Nur der wirklich begabte Lehrer, ob das jemand einfach aus dem Leben, aus der Schule oder der Hochschule ist, ist hierbei unerheblich. Nur dieser Lehrer kann beides gleichzeitig, weil allein seine Ausstrahlung, seine Glaubwürdigkeit, reinste Erziehung für die Kinder sind. Naturbegabungen kann man bekanntlich keinem Menschen beibringen, sehr wohl aber gewisse Verhaltensmaßnahmen. Und hier muß bei der Lehrerausbildung der Gedanke der Erziehung wieder mehr Raum eingeräumt werden. Diese Erziehung soll natürlich in keiner Weise den Geist einengen, und mir soll erst einmal jemand beweisen, daß das Aufstehen und Begrüßen vor dem Unterricht eine Einengung des Geistes ist. Ich darf hier ein Zitat eines gestandenen Kollegen anführen, der von sich als strenger Lehrer sprach, weil bei ihm die Schüler vor der Stunde aufstehen mußten. Es ist auch eine Frage der gegenseitigen Würde, was ich Ihnen als Juristen nicht erklären muß. Natürlich ist es für die Rechtsprechung oder den Unterricht völlig unerheblich, ob sie am Anfang stehen oder nicht. Aber es sind die kleinen Dinge im Leben, die für die atmosphärischen Störungen sorgen und eine schleichende und daher nicht immer wahrnehmbare negative Veränderung menschlichen Zusammenlebens mit sich bringen. Große und radikale Veränderungen sind nicht das eigentliche Problem, sondern die eben zitierten, vielen kleinen Dinge des Lebens.

Wie kann man das nun aufhalten oder sogar zum Positiven wenden? Dazu gehört erst einmal, daß uns die Schulbürokratie endlich mal ein paar Jahre in Ruhe läßt mit irgendwelchen Reformvorschlägen. Aber das geht natürlich nicht, denn die Menschen im Amt müssen schließlich was zu tun haben. Aber in Berlin haben wir da im Moment ein wahnsinniges Glück, denn der Senat hat sein Landesschulamt durchbekommen. Und siehe da, die Anzahl der Ausführungsvorschriften und Rundschreiben ist doch tatsächlich ganz erheblich zurückgegangen, denn das Landesschulamt ist so sehr mit sich selbst beschäftigt, daß für die eigentliche Schule mit den Kindern keine Zeit bleibt. Und die Schule steht noch immer. Die eigentlichen Leidtragenden sind natürlich die Kinder und Jugendlichen und danach erst die Lehrer. Was soll ich von einem Jugendlichen eigentlich erwarten, der bei zwei begabten Händen und einer technischen Naturbegabung keine Ausbildungstelle als Kraftfahrzeugmechaniker bekommt, weil man dazu mindestens mittlere Reife benötigt. Und hier müssen wir einen Schritt zurückgehen, gute Brötchen sind für mich völlig ausreichend, ich brauche keine Brötchen mit mittlerer Reife oder sogar die mit Abitur. Daß es ganz sinnvoll ist, wenn auch ein Bäcker seinen Namen schreiben kann, müßte man natürlich einem Bildungspolitiker noch mal extra erklären, worauf ich hier bei Ihnen ja verzichten kann. Dieser Bildungspolitiker wird mich sicherlich darauf hinweisen, daß dieser zukünftige Bäcker-Auszubildende natürlich am ITG teilgenommen haben muß. Hören Sie bitte genau hin: Informationstechnisches Grundstudium. Denn die computergesteuerten Maschinen, die schließlich auch im Bäckerhandwerk immer stärker eingeführt werden, machen dies notwendig. Dieser Bildungspolitiker hat immer noch nicht den Unterschied zwischen Allgemeinbildung und dem gebildeten Menschen verstanden: Allgemeinbildung dient immer noch primär dazu, in unserer Gesellschaft, jetzt plakativ gesprochen, zu überleben, sich im täglichen Miteinander zurechtzufinden. Und dabei muß ich eben nicht wissen, wie ein Computer zu bedienen ist. Viel wichtiger wäre es z.B. allen Schülern das Schreiben mit zehn Fingern auf der Tastatur beizubringen. Der gebildete Mensch dagegen, hat aus der Schule die Fähigkeit mitgebracht, sich selbständig etwas beizubringen, dem eigentlich höchsten Gut der Bildung. Wenn ich mich also als Lehrer selbst überflüssig gemacht habe, wie auch die Eltern allgemein, dann ist es völlig unwichtig, ob der Jugendliche das Atomgewicht vom Kohlenstoff weiß oder wie relational organisierte Datenbanken aufgebaut sind. Wenn er es denn irgendwann braucht, bringt er es sich selbst bei. D.h. um wieder bildlich zu sprechen, ich muß über den Tellerrand gucken können, denn was im Teller ist, dazu habe ich ja genug Zeit, um das festzustellen.

Eine Spezialausbildung hat also faktisch nichts in der Schule zu suchen. Sie heißt ja auch deswegen allgemeinbildende Schule. Und so wird wohl auch der neueste Schulversuch Berlins nur dazu dienen, eine uneffektive Methode einer Arbeitsbeschaffungsnahme zu sein. Was passiert also im Moment:

{ allgemeine Beschreibung des Comenius-Projekts in Berlin }

Damit hier kein Mißverständnis entsteht, ich unterstütze vehement die Beschäftigung mit den neuen Medien, denn nur wer informiert ist, kann argumentativ nicht über den Tisch gezogen werden, Und ich bin sogar dafür, daß die Beschäftigung damit eingehend erfolgt, wenn möglich sogar zum Spezialisten. So sind ja z.B. die Juristen völlig überfordert, wenn es um die Vernetzung oder die Einführung von Datenbanken geht. So ist es eben enorm wichtig, wenn man als Jurastudent nebenbei zu den Informatikern geht. Und wenn einen das ganze interessiert, war es sowieso unwichtig, ob er als Schüler in der Schule das ITG verordnet bekam. Und ich habe das Vorhaben einer meiner Abiturientinnen vehement unterstützt, gleichzeitig Jura und Informatik zu studieren und zwar im Vollstudium. Daß sie ebenfalls ein Juristenkind ist, will ich hier mal nicht weiter erwähnen. Es ist völlig egal, ob sie später zu den Informatikern oder zu den Juristen wechselt, in jedem Fall ist eine eingehende Kenntnis des anderen Fachgebietes enorm wichtig, denn ihr kann die jeweils andere Seite so schnell nichts vormachen. Und dies ist in unserem Zeitalter, welches ich gerne als das Gutachterzeitalter bezeichne, von unschätzbarem Vorteil. So kann ja zum Beispiel kein Mensch etwas eigenständiges zu dem Projekt Magnetschwebebahn Hamburg-Berlin sagen, er ist völlig von den Gutachten abhängig. Und Ihnen als Juristen muß ich hierzu ja nun auch nichts weiter sagen, denn sie können mir sicherlich davon ein Lied singen, besonders wenn die Gutachten in der physikalischen Einheit Meter gemessen werden. Sie merken, ich habe jetzt sozusagen die Kurve genommen zu meiner ingenieurwissenschaftlichen Seite und biege jetzt sozusagen auf die Zielgerade ein um langsam abzubremsen, damit ich nicht übers Ziel hinausschieße. Die Magnetschwebebahn Berlin-Hamburg ist nichts weiter als ein Prestigeobjekt, verkehrspolitisch völliger Schwachsinn, wenn zudem aus politischen Gründen in Schwerin noch eine Haltestelle vorgesehen wird. Ein Fahrzeug, welches seine Vorteile nun einmal erst bei einer Geschwindigkeit von ca. 500km/h ausspielen kann, wird dies doch wohl kaum bei einer Entfernung von 250 km tun können, mit Schwerin dazwischen natürlich noch weniger. Es würde also nur einen Sinn machen, wenn man eine enorme Passagierzahl damit transportieren könnte. Aber weit gefehlt, es werden erheblich weniger sein, als mit einem 200km/h schnellen ICE. Und wer einmal gesehen hat, welcher Aufwand für eine Hochgeschwindigkeitsbahnstrecke getrieben wird, wie sie der ICE benötigt, der kann sich vorstellen, was das für die Magnetschwebahn heißt, die einen noch weitaus höheren technischen und finanziellen Aufwand fordert. Es ist daher noch nicht einmal eine Lösung diese Art des Fortbewegungsmittels nach Rußland oder China zu exportieren, denn dort haben sie zwar die sinnvollen Entfernungen, können aber nicht die dort dann notwendigen günstigen Fahrpreise ermöglichen.

Ein absolut negatives Beispiel ist ja hierbei der Eurotunnel, dessen Finanzierung natürlich auch ausschließlich auf Gutachterbasis vorgenommen wurde und der jetzt langsam aber sicher in mehr als nur finanziellen Schwierigkeiten steckt. Dabei war ja alles kein Problem, alles ist optimal: die Abfertigung geht ebenso schnell wie die Fahrt, ist vom Wetter unabhängig, die Ausfallzeiten der Züge ist erheblich geringer als bei den Schiffen. Nur eins hatte man nicht getan, über den Tellerrand hinausgeblickt; es ist eben nicht jedermanns Sache, so eine lange Strecke unter Tage zurückzulegen. Die Menschen stehen einfach weiter im Hafen an statt sich in die imaginäre Unwissenheit eines dunklen Tunnels zu begeben. Und dabei spielt es keine Rolle, ob dieser durch künstliches Licht beleuchtet wird. Im Unterbewußten bleibt für die meisten Menschen der Tunnel etwas unangenehmes, was er ja letztlich sogar auch für die Zehlendorfer Bankräuber war, um nun wieder etwas auf die ironische Seite zu wechseln. Der Einsatz modernster Technik wird unsere Gesellschaft nicht voranbringen, denn wie sagte John Osborne: Computer sind die logische Weiterentwicklung des Menschen, Intelligenz ohne Moral. Womit ich mich jetzt hinter dem Zielstrich befinde und hoffe, Ihnen einen kleinen Einblick in unsere vernetzte Welt gegeben zu haben.


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Letzte Änderung: 24.04.2003
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