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Gegründet in Berlin am 4. November 1809

Friedrich Rühs


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Rühs, Friedrich (1781-1820)

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Wurde 1810 Professor in Berlin. Rühs studierte bei August Ludwig von Schlözer in Göttingen und wurde 1802 Privatdozent in Greifswald, wo er als schwedischer Untertan von Gustav IV. Adolf eine delikate Aufgabe erhielt: 1802 war in London von dem Italiener Joseph Acerbi eine Schwedenreise veröffentlicht worden, in der der Schwedenkönig als engstirnig beschrieben und beschuldigt wurde, das geistige Leben seines Landes durch Zensur niederzuhalten. In Schweden sann man über Mittel nach, wie man die Wirkung dieser Reisebeschreibung in Europa neutralisieren könnte, zumal eine deutsche Übersetzung vorbereitet wurde. Rühs war der »Berater« der Berliner Ausgabe, die 1803 in der Voßschen Buchhandlung erschien. Er tilgte alle Angriffe gegen Schweden, blieb zwar ungenannt, ist aber der »sachkundige Gelehrte«, den das Titelblatt erwähnt. Rühs übersetzte auch eine Gegenschrift zu Acerbis Schwedenreise. Außerdem legte er die Werke Gustavs III. (»Verdeutscht von F. Rühs«) in drei Bänden vor; sie erschienen in Berlin 1805-08. Wie fleißig er war, geht auch daraus hervor, daß er Leopolds Vermischte prosaische Schriften (Rostock, Leipzig 1805) übersetzte.
Nach seiner Berufung nach Berlin intensivierte Rühs seine skandinavischen Forschungen. Schon in Göttingen hatte er eine Skandinavien-Schrift verfaßt, an der Friedrich David Gräter aber ein Zuviel an Deklamation und ein Zuwenig an Untersuchung kritisierte. Später verfaßte er eine Schwedische Geschichte, die 1823 ins Schwedische übersetzt und von dem Historiker Erik Gustaf Geijer gerühmt wurde. 1812 gab Rühs in Berlins Realschulbuchhandlung, noch vor den Gebrüdern Grimm, die Edda, nebst einer Einleitung über die nordische Poesie und Mythologie [...] heraus, woraus sich der bekannte Edda-Streit entwickelte. Noch fehlte es ihm offenbar an genügend Kenntnissen des Altnordischen, für das allerdings erst ein Jahr zuvor der Däne Rasmus Rask mit seiner Anleitung ein wirksames Hilfsmittel geschaffen hatte. Rühs Gewährsmann war der dänische Edda-Forscher Rasmus Nyerup, den er 1810 in Stockholm besucht hatte und dessen dänischen Text er in seiner Prosa-Edda benutzte. In Berlin zählte Rühs zum Kreis der Patrioten um Ernst Moritz Arndt und Friedrich Ernst Daniel Schleiermacher. Er war auch mit Karl Asmund Adolphi (1771-1832) gut bekannt, dem Sohn eines Konrektors der Stockholmer Deutschen Schule. Adolphi wurde wie Rühs 1810 Professor in Berlin. Im Kreis des aus Greifswald stammenden Verlegers Georg Andreas Reimer (1776-1842) fand Rühs das Vertrauen des Historikers und Politikers Barthold Georg Niebuhrs, der ihn zur Mitarbeit am Preußischen Correspondenten bewegte; 1817 wurde Rühs sogar Historiograph des Preußenstaates. Nach dem Übergang Greifswalds an Preußen (1815) schrieb er in einem fingierten Brief sehr kritisch über die »Schwedenzeit«. Rühs starb 1820 auf einer Reise in Florenz, gepflegt von seinem Neffen, dem Wolgaster Karl Gustav Homeyer (1795-1874), der in Greifswald und Berlin in Rühs Haus gelebt hatte.

  • http://www.geschichte.hu-berlin.de/galerie/gal.htm

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    Letzte Änderung: 02.10.2012
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